Aquarium aus Epoxidharz

Da mein altes Becken nach 12 Jahren defekt war und ich ein größeres Becken bei gleichem Gewicht haben wollte (Problem Dachgeschoßwohnung)  bin ich auf die Idee gekommen, das ganze mal mit Epoxidharz und Glasfaser zu testen. Epoxidharz deshalb, weil das geruchsfrei ist, wenn gleich etwas teurer. Wer schon jemals den penetranten Geruch von Polyesterharz gerochen hat, weiss wovon ich rede, zumal die ganze Bastelei in der Wohnung stattfand.

Im Behälterbau wird das Ganze schon jahrelang praktiziert. Mit einigen Vorkenntnissen im Umgang und Verarbeitung von Epoxidharz und den dazugehörenden Komponenten und etwas handwerkliches Geschick sollte es klappen. Das Ganze hier soll kein Kochrezept sein, sondern ganz einfach mal eine Anregung. Im Internet ist darüber nicht viel zu lesen, das Meiste bezieht sich auf den Bau von Becken aus Holz mit GFK-Isolierung.

Bezugsquellen für den Harz, Härter und Glasfasergelege sind Breddermann-Kunstharze und HP-textiles, die ein breites Spektrum bieten und viele gute Tipps bereitstellen.

Also, der Ursprung des Aquariums ist der Bau einer Form. Die kann aus 22mm MDF oder OSB-Verlegeplatten bestehen, die es in jedem Baumarkt für Fußböden zu kaufen gibt. Wichtig ist nur, dass sie entsprechend stark sind, um sie miteinander verwindungsfrei zu verbinden, da ja die Vorderseite fehlt (Dort wird ja später die Scheibe eingeklebt). Sehr wichtig ist auch, dass das Ganze auf eine massive Unterlage gestellt wird, um zu verhindern, dass sich das Becken während der Bearbeitung verwinden kann.

Die Innenmaße entsprechen dann den Außenmaßen des späteren Beckens. Es können dadurch auch Sonderformen, wie es bei mir der Fall ist, gestaltet werden. Ich habe eine Nische ausgenutzt, die mir eine zusätzliche Tiefe von 14cm auf ca. 2/3 der Beckenbreite gebracht hat, was man auf dem Bild ganz gut erkennen kann.  Um so mehr solche Kanten in der Form eingebaut werden, um so steifer wird das Becken.

Der Form des Beckens sind in der Hinsicht keine Grenzen gesetzt.

Ich habe dazu 10mm Acrylglas benutzt, welches ich von einer Firmenauflösung billig erstanden habe. das Acryl hat den Vorteil, dass keine Oberflächenbehandlung des Untergrunds vorgenommen werden muss. Einfach Trennmittel drauf und fertig.


 

Bei meiner Form ist der Lampenkasten intregiert, das erspart den Bau eines solchen und sieht schick aus. Die Länge des Beckens kann man so wählen, das eine Leuchtstoffröhre in Standartgröße eingebaut werden kann. In meinem Fall also 125 cm. Es passen 36W /120cm LS Röhren rein.

Außerdem ist der Boden ca. 5 cm nach oben hochgezogen, damit der Kies oder Sand nicht mehr gesehen wird und das Aquarium noch mehr versteift wird. Das gleiche wird auf allen Seiten so gemacht. Auf den Bildern kann man das ganz gut erkennen.

Diese Verteifung oben dient gleichzeitig als Auflage der Abdeckung

Diese Verteifung oben hinten dient gleichzeitig als Auflage der Abdeckung

Die weißen Plastikwinkel dienen als Maß für die Dicke des Laminats und einen sauberen Abschluss. Die Stärke des Laminats sollte so ca. 6-7mm betragen.

Erreicht wird das mit ca. 6 Lagen Glasfasergelege mit 1150g/m² Triaxial - Glasfasergelege sowie 2-3 Lagen 166g/m² Glasfilamentgewebe Silane Köper zum besseren Angleichen an den Untergrund. Als Trennmittel wurde Grundierwachs und Folientrennmittel HP-PVA verwendet. Als Harz und Härter kommt HP-E25D zum Einsatz mit einer Verarbeitungszeit von ca. 25 Minuten. Für die großen Flächen ausreichend, da kann ja zügig gearbeitet werden. Sollte man sich nicht so sicher sein, kann man auch HP-E40D verwenden, mi einer Verarbeitungszeit von ca. 40 Minuten. Als Versieglung habe ich E45T der Firma Breddermann verwendet.

Die Dreikantholzleisten 14x14 mm auf dem Boden und in allen Ecken sind erforderlich, da sich das Gelege nicht so scharf knicken lässt und dadurch Hohlräume entstehen können.

Die Rechteck- oder Dreikantleiste umlaufend innen mittig der Beckenhöhe bringt eine enorme Steifheit in Becken, wie eine Sicke in Blechen und stört nicht, da ja sowieso eine Innengestaltung mit Felsen usw. stattfindet. Auf den Bildern ist sie nicht zu sehen, da ich sie aussen angebracht habe.

Ist das alles dann zufriedenstellend fertiggestellt, muss bei einer Holzform noch lackiert werden, damit eine glatte Oberfläche entsteht, da diese dann die sichtbare Außenfläche wird. 

 Schneller und einfacher geht auch das lückenlose Bekleben mit d-c fix Folie. Am besten hochglanz oder durchsichtig. Nach dem Auftragen des Trennmittels , erst das Grundierwachs, dann 2-4 mal Foilientrennmittel, kann dann laminiert werden. Das HP-E25T im richtigen Mischungsverhältnis anrühren und Lage für Lage mit reichlich Harz tränken und gut mit einem Schaumstoffroller blasenfrei andrücken.

Die ersten zwei Lagen, die ja die Aussenfläche bilden, kann man auch färben, so dass die schon in der Farbe seiner Wahl erscheint. Ich habe das leider nicht gemacht und habe dann mit besagter D C Fix Foilie die Aussenfläche gestaltet. Die letzten beiden Lagen werden wieder gefärbt in einer braun/ olivgrünen Tönung. Das hat den Sinn, das die Flächen, die nicht mit Felsen, Holz oder anderen Sachen gestaltet werden, sich besser an das Gesamtbild anpassen.

 

 

Wenn das Laminieren dann soweit fertig ist, kommt eine Lage Abreißgewebe drauf. Das bewirkt, dass die Oberfläche rauh bleibt und bildet einen optimalen Untergrund für die späteren Schritte.

Bevor die Träume der Innengestaltung verwirklicht werden können, müssen noch die Rohre der Zu- und Ableitungen durch den Boden geführt werden. Ich habe auch gleich noch eine Oberflächenabsaugung eingebaut. Ein Rohr ist für den Wasserwechsel, das nächste für die Rückführung und das dritte (dicke) vom Aquarium zum Filter.

Die Rohre werden durch die Löcher im Boden geführt. Unten ca. 10-15 cm  überstehen lassen und sehr sorgfältig zulaminieren. Aber vorher die Rohre gut aufrauhen, damit das Harz gut haftet.

Achtung aber beim Verschieben oder Transport des Aquariums, das die überstehenden Rohre nicht beschädigt werden.

Auf dem Bild kann man gut die Laminierung rund um die Rohre erkennen, die auch ein wenig nach oben gezogen wird.

Nach dem Trocknen des Laminates wird das Abreißgewebe entfernt und los geht die Innen- und Hintergrundgestaltung.

Man sollte sich schon im vorhinein einen Plan machen, wo man was hinhaben möchte.

Dann wird Bauschaum aufgebracht und wenn die Oberfläche etwas abgetrocknet ist wieder nach gutdünken vorsichtig plattgedrückt und geformt. Dadurch können Höhlen und Vorsprünge gestaltet und die gesamten Rohre mit verkleidet werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Nach der Durchtrocknung des Schaumes wird mit Fliesenkleber die ganze Oberfläche noch ein wenig nachgestaltet. Vorallem die zu tiefen Risse und Spalten zuschmieren, damit sich später keine Tiere darin einklemmen können. Aber wie schon erwähnt, kann das jeder nach seinen Vorstellungen, Ideen und Anforderungen gestalten. Diesbezüglich giebt es auch schöne Anregungen im Internet.

Auch können Steine und Wurzeln schon mit befestigt werden. Das hilft, um den manchmal merkwürdigen Einrichtungswünschen mancher Barscharten entgegen zu wirken.

Wenn alles wunschgemäß gestaltet ist, wird die Oberfläche mit Abtönpaste farblich gestaltet und mit Epoxidharz min. 2 mal versiegeln. Darauf achten, das alle Stellen sorgfältig versiegelt werden.

Alternativ kann man auch das Epoxidharz, welches zur Versieglung aufgetragen wird, einfärben, wie auf dem Bild zu sehen ist.


So, der erste Schrit ist vollbracht. Schon mal einen ersten Sichttest mit Beleuchtung. Schaut schon nicht schlecht aus...

Zwischenzeitlich habe ich die Stahlkonstruktion eingebaut. Diese wurde aus statischen Gründen mit dem hinteren Teil in eine tragende Wand eingelassen. Dadurch verringert sich die Belastung des Fußbodens und ich konnte ein größeres Becken bei gleicher Deckenbelastung einbauen. Das war auch möglich, da dass Grundgewicht des Beckens durch die Verwendung des sehr viel leichteren GFK um 2/3 gesenkt werden konnte. Mein Becken von der Größe von 125cm x 60/50cm x 50cm hat ein Gewicht ohne Glasscheibe von ca. 15Kg. Kein Vergleich zu einem reinen Glasbecken mit einem Gewicht von ca. 80Kg

Ich hoffe, ich verärgere jetzt keine Statiker mit dieser einfachen Formulierung.

Hier sieht man schön die Nische, woran ich das Becken angepasst habe

Hier sieht man schön die Nische, woran ich das Becken angepasst habe

Nach dem Anbringen einer 20mm starken Platte auf dem Unterbau, Aushärten und Test der Unterkonstruktion, wird das Becken aufgestellt und ausgerichtet. Dann wird die Scheibe eingeklebt. Die habe ich in einer Stärke von 10mm von einer Glaserei zuscheiden lassen. Kanten etwas geschliffen aus Sicherheitsgründen. Zusätzlich eine 8cm schmale Glasscheibe, die an der Oberkante der großen Scheibe zur Stabilisierung quer eingeklebt wird. Verwendet wird der Polymerkleber Adheseal der Firma Innotec aus dem Industriebereich. Extrem fest und gut zu verarbeiten. Achtet auf die Herstellerangaben. Es gibt ähnliche Kleber von verschiedenen Herstellern, aber mit diesem habe ich gute Erfahrungen gemacht. Aus dem Hobbybereich giebt es noch den "Unterwasserkleber", der aber überwiegend für das Befestigen von Steinen und Wurzeln gedacht ist.

Vor dem Einkleben sehr sorgfältig entfetten mit Aceton und Handschuhe anziehen. Klebt auch seeeeehr gut an den Händen und lässt sich nur schwer entfernen.

Fixiert wird die Scheibe während des Trockenprozesses mit Klebestreifen und unten mit Hartschaumwürfeln. Nach ca. 3-4 Tagen Trockenzeit werden dann die Aluwinkel zur zusätzlichen Fixierung und besseren Aussehen mit dem gleichen Kleber befestigt.

Aluwinkel und Befestigung der LS Röhren

Ist das alles soweit fertig, kann mit dem Einbau der Technik begonnen werden. Ich habe als Beleuchtung T5 Röhren verwendet mit dimmbaren Vorschaltgeräten. Die werden über eine Zeitschaltuhr und Goldcaps langsam, innerhalb einer halben Stunde auf und ab gedimmt. Der perfekte Sonnenauf- und untergang. Die ganze Elektronik wird in dem Schrank unterhalb der Beckens neben den Fitern eingebaut.

Filter und Platz für Utensilien

Elektronik zur Steuerung der T5 Röhren

Als letzte Schritte folgen noch das Einrichten des Beckens, Wasser einfüllen, Technik in Betrieb nehmen und freuen.....

Alles noch jungfreulich

Vielleicht regt diese Beschreibung den einen oder anderen zu einem Nachbau an, würde mich freuen. Sollten irgendwelche Fragen sein, einfach schreiben.


 
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